LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) und Legasthenie Fördertraining
Erkennen – verstehen – akzeptieren – bewältigen
Wir bieten individuelle Einzelförderung für Kinder bei LRS und Legasthenie. Wir arbeiten im Lernstudio nach der AFS-Methode des EÖDL. Diese offene Methode kombinieren wir mit bewährten Konzepten, Programmen und Materialien, wie z. B. dem Apropos-Sprache-Material von Ursula Günster-Schöning, dem Laut-Gebärden-System von Dr. Lisa Dummer-Smoch, der lautgetreuen Lese-Rechtschreibförderung von Carola Reuter-Liehr oder dem Kieler Leseaufbau.
Eine Förderstunde (60 Minuten) gestaltet sich im Lernstudio nach folgendem Ablauf:
- Hausaufgabenkontrolle (ca. 5 min.)
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsphase (ca. 10 min.)
- Funktionstraining - Förderung der Sinneswahrnehmungen (ca. 10 min.)
- Symptomtraining - Bearbeiten verschiedener Problematiken mit speziellen Techniken (ca. 30 min.)
- Abschlussspiel (ca. 5 min.)

In der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsphase zu Beginn der Fördereinheit werden dem Kind Geschicklichkeitsübungen, Koordinationsübungen, Zeitempfindungsübungen, Bewusstseins- und Entspannungsübungen angeboten, damit die Aufmerksamkeit und Konzentration, die es beim Schreiben, Lesen oder Rechnen benötigt, gesteigert wird.
Durch die kontinuierliche Verbesserung der Wahrnehmungsleistungen (Sinneswahrnehmungen) werden wesentliche Voraussetzungen für bessere Leistungen beim Lesen, Schreiben oder Rechnen geschaffen, daher schließt sich ein Training dieser Funktionen an die Aufmerksamkeitsphase an. Das Syptomtraining ist dann das Kernstück der Förderstunde. Hier stehen die Erarbeitung der Wortbedeutung , des Wortbildes, des Wortklangs sowie Lese-Lerntechniken im Vordergrund. Die Fördereinheiten sind keine Nachhilfe, sondern gezielte Aufarbeitung der Problemfelder.
In Einzelfällen kann beim Landkreis Emsland eine finanzielle Unterstützung beantragt werden, sofern ein Arzt ebenfalls eine Legasthenie oder LRS festgestellt hat. Vereinbaren Sie doch einfach einen unverbindlichen Termin für ein Beratungsgespräch.
Auffälligkeiten werden im Alltag beobachtet!
Fiele – vile – phile – fielle usw. usw., diese Gedanken gehen einigen Kindern bei Diktaten, beim Schreiben des kleinen Wortes "viele" durch den Kopf. Die Trefferquote ist natürlich verhältnismäßig gering. Oft finden Eltern solcher Kinder auch Schreibungen wie Bsn (Besen) oder Fibe (Wiege) oder Hont (Hund) oder Seiker (Zeiger) oder dewend (gewinnt) oder osn (Hosen) in deren Heften und können den Sinn des Geschriebenen nicht mehr erkennen. Natürlich können diese Kinder ihre eigenen Schreibungen auch nicht lesen und tun sich genauso schwer mit korrekt geschriebenen Wörtern. Das selbstständige Erlesen von Sätzen und Texten gelingt nicht, da die Kinder den Sinn der Wörter nicht erfassen können. Was ist los mit meinem Kind? Hat es LRS oder ist es legasthen? Lernt es das Schreiben und Lesen überhaupt? Und was kann ich tun, um ihm zu helfen? Dies sind meist die ersten Fragen, die Eltern bei o. g. Auffälligkeiten ihrer Kinder durch den Kopf gehen.
Wann spricht man von einer LRS oder von einer Legasthenie und was kann man tun?
Zuerst muss festgestellt werden, dass eine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) und eine Legasthenie nicht das Gleiche sind. Maßgeblich für eine Legasthenie sind nach heutigem Wissen die Chromosomen 15 und 6. Das bedeutet, eine Legasthenie ist genbedingt und eine bleibende Eigenschaft. Auffällig werden die betroffenen Kinder in der Schule zuerst durch ihre Unaufmerksamkeit, wenn sie mit Symbolen, also Buchstaben oder Zahlen, in Verbindung kommen. Diese Unaufmerksamkeit findet man häufiger als bei anderen Kindern. Eine Fehlersymptomatik, sogenannte Wahrnehmungsfehler, sind die Folge. Im Moment des Produzierens solcher Wahrnehmungsfehler nimmt das Kind die unkorrekte Schreibweise nicht wahr. Daher ist für eine Legasthenie diese ständige Unaufmerksamkeit im Umgang mit Symbolen und Mängel bei den Sinneswahrnehmungen typisch, wobei die Fehlersymptomatik oft die gleiche wie bei einer LRS ist.

Legasthenie tritt zudem in verschiedenen Schweregraden auf. Üblicherweise unterscheidet man drei Stufen: eine leichte, eine mittelschwere und eine schwere. Außerdem unterscheidet man z. B. eine verbale und eine literale Legasthenie. Die erstere betrifft das Lesen und Schreiben von Wörtern; literale Legasthenie dagegen ist die Schwerstform, weil die Betroffenen sich nicht einmal einzelne Buchstaben dauerhaft einprägen können. Wird bei einem Kind "nur" eine leichte Legasthenie festgestellt (was bei 78% der Kinder der Fall ist), bedeutet dies gute Möglichkeiten zur Förderung, wenn die Legasthenie als solche schnell und vor allem früh erkannt wird.
Die Lese-Rechtschreibschwäche wird dagegen erworben oder entwickelt als Sekundärsymptomatik aus einer Legasthenie. Durch bestimmte Ereignisse im Leben eines Kindes hervorgerufen, entsteht die Lese-Rechtschreibschwäche und ist zumeist vorübergehend und nicht wie bei der Legasthenie eine bleibende Eigenschaft. Oft sind mangelndes Regelbewusstsein, ungünstige Bedingungen in der Schule oder zu Hause Ursachen für eine erworbene LRS. Aber auch hyperaktive oder unkonzentrierte Kinder neigen oft zu Problemen beim Schreiben und Lesen. Die Ursachen für eine erworbene LRS können aber auch im physischen Bereich zu suchen sein. Bei manchem Kind hat sich erst viel zu spät herausgestellt, dass es ein vermindertes Seh- oder Hörvermögen hat (und dadurch natürlich auch die Buchstaben bzw. Laute schlecht sehen bzw. hören konnte). Natürlich sind auch mitunter bestimmte Unterrichtsmethoden Verursacher der LRS, da sie dem Kind nicht gerecht werden und es überfordern, oder das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler nicht positiv besetzt ist. Letztendlich können aber auch Lerndefizite, Minderbegabungen oder mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache zu einer LRS führen.
Frühe Hinweise erkennen!
In der Zukunft wird es zunehmend auf die ErzieherInnen im Vorschulbereich ankommen, inwieweit sie bereits Auffälligkeiten für eventuelle zukünftige Probleme beim Erlernen des Lesens und Schreibens erkennen. Sie müssen aufmerksamer Beobachter sein und Eltern und auch Lehrern konkrete Hinweise liefern, sodass von Anfang an und so früh wie möglich eine entsprechende Förderung und Unterstützung einsetzen kann.
Da es im deutschsprachigen Raum leider keine Testverfahren gibt, mit denen man eine Legasthenie im Vorschulbereich feststellen kann, sollte zumindest das phonologische Bewusstsein der Kinder überprüft werden und auf Auffälligkeiten bei den Sinneswahrnehmungen in den Bereichen optische und visuelle Differenzierung, optisches und visuelles Gedächtnis, optische und visuelle Serialität, akustische und auditive Differenzierung, akustisches und auditives Gedächtnis, akustische und auditive Serialität, Raumorientierung und Körperschema geachtet werden. Vor allem sollte von der veralterten Vorstellung, dass Kinder erst in der Schule die Buchstaben kennen lernen und erlernen sollen, abgerückt werden. Gerade bei Kindern mit einer legasthenen Anlage ist es besonders wichtig, sie schon sehr früh (also ab dem 4. Lebensjahr) im Spiel mit den Buchstaben bekannt zu machen.

Viele Eigenschaften, die auf eine LRS oder Legasthenie hindeuten, sind bereits vor der Einschulung erkennbar. Hinzu kommen aber auch andere, die vor Schuleintritt nicht sichtbar wurden. Ganz eindeutig kann man eine Legasthenie aber erst feststellen, wenn das Kind schon mit Buchstaben, also mit dem Schreiben und Lesen, befasst ist und dabei Auffälligkeiten zeigt. Dann, in der Schule ist es aber sehr entscheidend und wichtig, dass schnell gehandelt wird und die Schwächen der Kinder richtig gedeutet und vor allem beobachtet werden. Es muss ganz genau geklärt bzw. festgestellt werden, ob ein Kind eine Legasthenie hat oder ob eine erworbene LRS vorliegt. Je nach Diagnose wird dann ganz unterschiedlich bei der gezielten Förderung vorgegangen.